Das geheime Leben des Friedwalds

Bestat­tun­gen in Wäl­dern wer­den immer belieb­ter. Auch die Kir­che hat ihren Segen zu die­ser Bestat­tungs­form gege­ben

Wer sich in der Natur auf­hält, sieht sich leich­ter als Teil des Gan­zen. Seit der Roman­tik haben wir Deut­schen ohne­hin eine enge Bezie­hung zum Wald. Und so ver­wun­dert es nicht, dass immer mehr Urnen­be­stat­tun­gen unter Bäu­men statt­fin­den. Erd­be­stat­tun­gen auf Fried­hö­fen sind seit Jah­ren rück­läu­fig. Kom­mu­nen bie­ten mehr Baum­be­stat­tun­gen von Urnen unter bestehen­den Baum­be­stän­den auf Fried­hö­fen an. Oder in sepa­ra­ten Wald­area­len.

Der Baum in neuem Auf­wind
Wer hätte ver­mu­tet, dass Sach­bü­cher über den Wald zu Best­sel­lern wer­den kön­nen? Der deut­sche Förs­ter Peter Wohl­le­ben hat es geschafft. „Das geheime Leben der Bäume – Was sie füh­len, wie sie kom­mu­ni­zie­ren“ erklärt For­schungs­wis­sen und führt den Nach­weis, dass Bäume Emp­fin­dun­gen, Gefühle und sogar ein Gedächt­nis haben, dass sie mit­ein­an­der kom­mu­ni­zie­ren, ihren Nach­wuchs umsor­gen, alte und kranke Nach­barn pfle­gen. Wald­be­stat­tun­gen bezeich­net Autor Peter Wohl­le­ben im Inter­view mit Gene­ra­tion 55+ als „schö­nes Sinn­bild vom Kreis­lauf der Natur, in den die Asche der Toten zurück­kehrt“.

Grä­ber schüt­zen Bäume
Der Wald­lieb­ha­ber sieht kei­nen Scha­den für die Natur, aber es muss rich­tig gemacht wer­den. Er betreut sogar sei­nen eige­nen so genann­ten „Traum­wald“ zur Bei­set­zung der Toten. Die Bäume auf diese Weise schüt­zen zu kön­nen, indem er sie nicht fäl­len muss, um den Wald zu bewirt­schaf­ten, freut ihn deut­lich. Eine Bei­set­zung in sei­nem „Traum­wald“ scheint also auch eine Art Paten­schaft für den Baum zu sein, da er in sei­ner Ursprüng­lich­keit erhal­ten wird.

Es gibt viele Namen für die Wäl­der
Eine gän­gige Bezeich­nung ist „Fried­wald“, die vom Anbie­ter der Fried­wald GmbH her­rührt, dem Pio­nier des Kon­zepts in Deutsch­land. Seit sei­nem erst­ma­li­gen Ange­bot 2001 sind rund 60 Wald­stü­cke als „Fried­wäl­der“ aus­ge­wie­sen wor­den, elf davon in Baden-Würt­tem­berg. Der Name „Ruhe­forst“ geht auf die Ruhe­forst GmbH zurück, auch ein pri­va­ter Anbie­ter. Fried­park, Urnen­hain und Ruhe­hain sind wei­tere gän­gige Bezeich­nun­gen.

For­men des Gra­bes
Schon zu Leb­zei­ten kön­nen sich Per­so­nen oder Fami­lien einen Baum aus­su­chen, in des­sen Wur­zel­werk meh­rere Urnen bei­ge­setzt wer­den. Die Nut­zungs­zeit ist mit 100 Jah­ren län­ger als auf dem Fried­hof üblich. Grab­ge­stal­tun­gen durch Bepflan­zung oder Blu­men­schmuck sind nicht erlaubt. Den Baum ziert ein klei­nes Metall­schild, ein Denk­mal oder eine Grab­platte.

Was sagt eigent­lich die Kir­che dazu?
Die Kir­che, zunächst besorgt um die christ­li­che Bestat­tungs­kul­tur, das christ­li­che Toten­ge­den­ken und ein christ­lich reli­giö­ses Brauch­tum am Grab, reagierte zunächst ableh­nend. Der Vati­kan hat den Fried­wald aber inzwi­schen als Bestat­tungs­ort aner­kannt. Wich­tig war der Kir­che, dass die Grab­stät­ten auch bei einer Wald­be­stat­tung nicht anonym sind.

Cate­rina Pries­ner