Ein Clip, der Leben retten kann

Nach einem Herz­in­farkt wie­der unein­ge­schränkt am Leben teil­neh­men – das ist kein Traum, son­dern bei der Karls­ru­he­rin Wil­trud König zur Rea­li­tät gewor­den

Mitte Novem­ber 2014 erlitt Wil­trud König einen schwe­ren Herz­in­farkt. Wie häu­fig bei Frauen tra­ten bei der Karls­ru­he­rin eher unspe­zi­fi­sche Sym­ptome wie Luft­not und Übel­keit auf, wes­halb sie ihre Beschwer­den nicht als aku­ten Herz­an­fall wahr­nahm. Auf­grund ihrer guten gesund­heit­li­chen Ver­fas­sung über­lebte sie den sonst in vie­len Fäl­len töd­li­chen Gefäß­ver­schluss ohne ärzt­li­che Sofort­ver­sor­gung. Aller­dings bekam die 79-Jäh­rige einige Tage spä­ter zuneh­mend schlech­ter Luft, sodass sie am spä­ten Abend in die Not­auf­nahme der St. Vin­cen­tius-Kli­nik in Karls­ruhe ein­ge­lie­fert wurde. Dort stellte das Ärz­te­team als Folge des Herz­in­fark­tes eine schwere Mitral­klap­pen­in­suf­fi­zi­enz fest, die es umge­hend zu behan­deln galt. Wegen ihres Alters sowie durch den schwe­ren Herz­an­fall war das Risiko einer offe­nen Ope­ra­tion jedoch zu groß. Dank des mini­mal­in­va­si­ven Mitral­klap­pen-Clip­pings ist die Pati­en­tin heute den­noch am Leben.

Schock­nach­richt Herz­in­farkt

Wil­trud König pas­sierte das, wovor sich viele Men­schen fürch­ten: Sie erlitt einen Herz­in­farkt – laut dem aktu­el­len Herz­be­richt die zweit­häu­figste Todes­ur­sa­che in Deutsch­land. Dabei kam es zu einem gefähr­li­chen Abriss des soge­nann­ten Papil­l­ar­mus­kels. Als wich­ti­ger Teil des Her­zens sorgt er dafür, dass sich die Mitral­klappe, wel­che sich zwi­schen lin­kem Vor­hof und lin­ker Herz­kam­mer befin­det, nur in eine Rich­tung öff­net. So gelangt sauer­stoff­rei­ches Blut vom Vor­hof in die Kam­mer und anschlie­ßend in den Kör­per­kreis­lauf. Kommt es jedoch zu einem Infarkt, wird unser Lebens­mo­tor zeit­weise nicht mit Blut ver­sorgt, sodass Herz­mus­kel­zel­len abster­ben. Auf­grund des­sen reißt in eini­gen Fäl­len der Papil­l­ar­mus­kel und in der Folge ent­steht eine Undich­tig­keit der Mitral­klappe – so auch bei Wil­trud König. „Das Herz der Pati­en­tin war somit auch nicht mehr in der Lage, aus­rei­chend Sauer­stoff in den Kör­per zu pum­pen. Dar­aus ent­wi­ckelte sich kurz nach Auf­nahme in der Kli­nik eine typi­sche Luft­not, sodass Frau König künst­lich beat­met wer­den musste“, erläu­tert Dr. Alex­an­der Würth, Ober­arzt für Innere Medi­zin an der St. Vin­cen­tius-Kli­nik Karls­ruhe.

Um schnell eine Lösung für die vor­her so gesunde Karls­ru­he­rin zu fin­den, kam das soge­nannte Heart Team mit Herz­chir­ur­gen und Kar­dio­lo­gen zusam­men, um fach­über­grei­fend die best­mög­li­che The­ra­pie zu erar­bei­ten. „In Anbe­tracht der Schwere des Infarkts und des fort­ge­schrit­te­nen Alters der Pati­en­tin kam eine offene Ope­ra­tion unter Ein­satz einer Herz-Lun­gen-Maschine nicht infrage. Des­halb ent­schie­den wir uns gemein­sam für eine Behand­lung mit dem Mitra­Clip-Sys­tem. Da das circa vier Mil­li­me­ter dünne Implan­tat mini­mal­in­va­siv über einen Kathe­ter durch die Leiste ein­ge­führt wird, stellte der Ein­griff für die Pati­en­tin eine scho­nende und sichere Alter­na­tive zu einer herz­chir­ur­gi­schen Ope­ra­tion dar“, erklärt Dr. Würth. Wäh­rend des Ein­griffs setzte der Experte zwei Mitra­Clips an der defek­ten Herz­klappe, um die Undich­tig­keit zu min­dern und den Blut­fluss wie­der in die rich­tige Rich­tung zu len­ken. Nach der erfolg­rei­chen Behand­lung wurde die Pati­en­tin aus der Kli­nik ent­las­sen und in eine Reha­bi­li­ta­ti­ons­ein­rich­tung ver­legt.

Ein­griff mit vol­lem Erfolg

Anfang 2016 kam die Karls­ru­he­rin mit ihrer Toch­ter zu einer letz­ten Nach­un­ter­su­chung in die St. Vin­cen­tius-Kli­nik. Dr. Würth führte eine Echo­kar­dio­gra­phie zur Über­prü­fung der Herz­funk­tion durch, die das sehr gute Ergeb­nis des Ein­griffs deut­lich zeigte. „Gemein­sam mit ihrem Mann genießt Wil­trud König nun wie­der ihren All­tag im eige­nen Haus, kocht und erle­digt alle anfal­len­den Arbei­ten selbst. „Es fühlt sich gut an, wie­der aktiv am Leben teil­zu­neh­men und frei atmen zu kön­nen“, erzählt die 79-Jäh­rige. Zusam­men mit ihrer Toch­ter fährt sie hin und wie­der in die Stadt, um bei Kaf­fee und Gebäck Neu­ig­kei­ten aus­zu­tau­schen. „Auf diese gemein­sa­men Nach­mit­tage freue ich mich immer beson­ders“, sagt Wil­trud König.

 

Foto: Dr. Alex­an­der Würth, Ober­arzt an der St. Vin­cen­tius-Kli­nik Karls­ruhe, im Gespräch mit Pati­en­tin Wil­trud König.