Hören und Sehen – aber richtig !

Sie gehö­ren zu unse­ren ele­men­ta­ren Fähig­kei­ten. Las­sen Ohren und Augen aber nach, muss schnell gehan­delt wer­den.

Die Klas­si­ker: Der TV-Part­ner sagt: „Du stellst den Fern­se­her zu laut“. Mit Freun­den im Stamm­tisch-Lokal: Man bekommt nicht mehr alles mit, was erzählt wird. Pro­bleme mit dem Hören stei­gen mit dem fünf­zigs­ten bis sech­zigs­ten Lebens­jahr, doch in jedem Alter kann es zu Hör­pro­ble­men kom­men. Wann also sollte man zum Ohren­arzt gehen?

Mit dem Sehen ist es ähn­lich. Lange Zeit pas­siert in der Regel nichts oder kaum etwas, schlei­chend set­zen Ver­schlech­te­run­gen ein. Das kann beim Auto fah­ren in der Dun­kel­heit sein, wenn die Schein­wer­fer der ande­ren Ver­kehrs­teil­neh­mer als grell wahr­ge­nom­men wer­den und das Kon­trast­se­hen gerin­ger wird. Trotz­dem bestehen viele Unsi­cher­hei­ten hin­sicht­lich Augen- und Ohren­checks. gene­ra­tion 55+ wollte mehr wis­sen und hat mit mit Sarah Kös­ter vom Zen­tral­ver­band der Augen­op­ti­ker und Opto­me­tris­ten, und mit Tho­mas Deit­mer, Gene­ral­se­kre­tär der Deut­schen HNO-Gesell­schaft, gespro­chen. Letz­tere meint Fol­gen­des zu Hör­pro­ble­men:

Tipp: Wenn Sie selbst eine Ver­än­de­rung mer­ken. Wenn Sie den Ein­druck haben, die Kom­mu­ni­ka­tion ist beein­träch­tigt, dann gehen Sie zum HNO-Arzt.

Gibt es Risi­ko­grup­pen?
Rau­chen und Alko­hol­ge­nuss sind Risi­ko­fak­to­ren. Sie begüns­ti­gen Schlund- und Rachen­krebs. Wer exzes­siv raucht oder trinkt, sollte über vor­beu­gende Arzt­be­su­che beim HNO-Arzt nach­den­ken. Auch wer bei lau­ten Rock­kon­zer­ten war und viel­leicht sogar unmit­tel­bar vor der Laut­spre­cher­box stand oder sich über Hör­stöp­sel und Kopf­hö­rer sehr laute Musik anhört und damit sogar Stra­ßen­lärm über­tönt, gehört zur Risi­ko­gruppe.

Tipp: Bei plötz­li­chen Hör­stö­run­gen soll­ten Sie eine ärzt­li­che Abklä­rung vor­neh­men las­sen, wenn die Beein­träch­ti­gung nicht inner­halb von 24 bis 48 Stun­den vor­über geht.Ein Hör­ge­rät ist nur eine
Krü­cke.

Der Gene­ral­se­kre­tär der Deut­schen HNO-Gesell­schaft Dr. Tho­mas Deit­mer betont, dass das Poten­tial von Hör­ge­rä­ten über­schätzt werde. Hör­ge­rä­te­her­stel­ler wer­ben mit dis­kre­ten Hör­ge­rä­ten, die ganz klein und von außen kaum erkenn­bar im Ohr ver­steckt seien, doch: „Mit einer Krü­cke lau­fen Sie kei­nen Mara­thon“, so Dr. Tho­mas Deit­mer. Er warnt davor, sich Illu­sio­nen zu machen. Anders als oft sug­ge­riert, werde man mit einem Hör­ge­rät nicht hören kön­nen wie vor 20 oder 30 Jah­ren. Das Hör­ge­rät aus Sorge vor Stig­ma­ti­sie­rung zu ver­ber­gen sei gar keine gute Idee.

Tipp: Men­schen neh­men durch­aus Rück­sicht, wenn sie das Hör­ge­rät sehen und stren­gen sich beim Spre­chen etwas mehr an.

Ganz wich­tig: Der soziale Fak­tor
Im Berufs­le­ben kann es hart sein, wenn jemand in Kon­fe­ren­zen nicht mehr alles hört. Er wird schnell als dümm­lich abge­stem­pelt, zum Bei­spiel, weil er über einen Witz nicht lacht. Vor­be­halte gegen ein Hör­ge­rät kön­nen zu sozia­lem Rück­zug füh­ren. Etwa, wenn jemand nicht mehr zu Tref­fen mit Bekann­ten geht, weil er die Gesprä­che nicht voll­stän­dig mit­be­kommt und es anstren­gend für ihn wird. Ein Hör­ge­rät ließe ihn alt erschei­nen, denkt er viel­leicht, und ver­zich­tet des­we­gen lie­ber dar­auf.

Tipp: Las­sen Sie sich die schö­nen Momente in Gesell­schaft nicht ent­ge­hen. Sollte Sie jemand wegen eines Hör­ge­räts für alt hal­ten – na und? Wer von Ihnen bei­den hat dann ein Pro­blem mit dem Altern?
Auch das Sehen gehört wie das Hören zu den ele­men­ta­ren Fähig­kei­ten des Men­schen. Was rät Sarah Kös­ter vom Zen­tral­ver­band der Augen­op­ti­ker und Opto­me­tris­ten?

Brille, Kon­taktllinse und Co.
Bril­len­mo­delle sind ebenso wie far­bige Kon­takt­lin­sen heute ein Mit­tel der Mode. Far­bige Kon­takt­lin­sen gibt es mit und ohne Kor­rek­ti­ons­wir­kung. Es gibt sogar Lin­sen mit Moti­ven, die aber eher an Kar­ne­val oder Hal­lo­ween zum Ein­satz kom­men. Dane­ben gibt es natür­lich aus­se­hende far­bige Kon­takt­lin­sen, die genutzt wer­den kön­nen, um die eigene Augen­farbe zu ver­än­dern.

Tipp: Bitte nur beim Fach­mann kau­fen und sich die Hand­ha­bung und Pflege gut erklä­ren las­sen, sonst kön­nen Augen­rei­zun­gen oder sogar Schä­den am Auge ent­ste­hen

Wann zum Augen­arzt?
Bekannt ist zwar, dass die Seh­kraft mit fort­schrei­ten­dem Alter abnimmt, aber auch in jun­gen Jah­ren kann sich eine Fehl­sich­tig­keit – vom Betrof­fe­nen weit­ge­hend unbe­merkt – ent­wi­ckeln oder ver­schlech­tern. Eine typi­sche alters­be­dingte Erkran­kung ist die Maku­la­de­ge­ne­ra­tion. Dabei han­delt es sich um eine all­mäh­li­che Zer­stö­rung der Zap­fen (Licht­re­zep­to­ren) in der Makula, die unter ande­rem für das scharfe Sehen und die Wahr­neh­mung von Far­ben und Kon­tras­ten zustän­dig sind. Wird sie zu spät bemerkt, sind die ent­stan­de­nen Schä­den viel­leicht nicht mehr zu repa­rie­ren.

Tipp: Gehen Sie – egal, wel­chen Alters Sie sind – ein­mal jähr­lich zu einer Augen­un­ter­su­chung, um Ihre Seh­fä­hig­keit über­prü­fen zu las­sen und damit der Augen­arzt im Falle einer Erkran­kung eine The­ra­pie ein­lei­ten kann.

Opti­ker oder Augen­arzt?
Es ist der Augen­arzt der letzt­end­lich die Dia­gnose stellt. Eine opto­me­tri­sche Unter­su­chung kann aber Teil der Ana­mnese sein. Und auch Augen­op­ti­ker­meis­ter kön­nen die Fort­bil­dung zum Opto­me­tris­ten absol­viert haben. Auf­grund sei­ner Aus­bil­dung ist der Opto­me­trist befä­higt, das Auge auf krank­hafte Auf­fäl­lig­kei­ten hin zu unter­su­chen, die gege­be­nen­falls einer zusätz­li­chen ärzt­li­chen Abklä­rung bedür­fen.

Tipp: Wenn Sie gerade beim Opti­ker sind, fra­gen Sie, ob er eine Opto­me­trie vor­neh­men kann. Bevor Sie aber nächste Schritte unter­neh­men, soll­ten Sie mit dem Augen­arzt spre­chen.

Cate­rina Pries­ner

Foto: © ZVA/Heike Skam­per