Kreativ wohnen mit Balkon & Co.

Was darf es sein? Lagom, Hygge ode täu­schend echte Böden aus dem 3D-Dru­cker? Ein Streif­zug durch aktu­elle Wohn­trends

Schon mal von „Lagom“ gehört? Oder von „Hygge“? Hier­bei han­delt es sich nicht etwa um beliebte Wikin­ger­vor­na­men son­dern um aktu­elle Life­style-Trends aus Skan­di­na­vien. Wäh­rend „Hygge“ aus Däne­mark stammt und den Trend zum Rück­zug in die eige­nen vier Wände, Ein­fach­heit, Mäßi­gung und die Kon­zen­tra­tion aufs Wesent­li­che beschreibt, steht hin­ter „Lagom“ nicht weni­ger als die neue Zau­ber­for­mel fürs Glück aus dem däni­schen Nach­bar­land Schwe­den. Und die müs­sen es wis­sen, denn die Schwe­den gel­ten als die glück­lichs­ten Men­schen welt­weit.

Eine wört­li­che Über­set­zung für „Lagom“ gibt es übri­gens nicht, aber gemeint ist damit so viel wie die „Mitte zwi­schen zu viel und zu wenig“ oder eben „genau das rich­tige Maß“ und damit Gleich­ge­wicht und per­fekte Har­mo­nie. „Lagom“ steht für eine all­ge­meine Lebens­hal­tung, die sich auch im Woh­nen und Ein­rich­ten nie­der­schlägt. Denn sol­che Meta­t­rends brin­gen immer auch neue Impulse in die Gestal­tung von Möbeln, Tape­ten, Böden und Acces­soires. Was bedeu­tet „Lagom“ nun also in Sachen Innen­ein­rich­tung? Kon­kret umge­setzt, wer­den Räume nicht mehr über­füllt, weder mit Möbeln, noch mit Far­ben oder Acces­soires. Und das alleine kann schon glück­lich machen, denn: wenn das Auge im Raum kei­nen Ruhe­punkt fin­det, kann man in den eige­nen Wän­den nicht abschal­ten.

Den­noch gilt auch hier das rich­tige Maß: Zu mini­ma­lis­tisch und kahl wir­ken Räume schnell ste­ril und unge­müt­lich. Die Reduk­tion auf das unbe­dingt Not­wen­dige ist hier also nicht gemeint. Wohl aber eine hohe Funk­tio­na­li­tät der Dinge, die uns umge­ben. Bei­spiels­weise gehört eine Vase dazu, nicht aber ein bun­tes Sam­mel­su­rium aus Vasen, die auf alle Fens­ter­bänke des Rau­mes ver­teilt sind. Und Qua­li­tät geht vor Quan­ti­tät – was natür­lich nicht nur für Anhän­ger des schwe­di­schen Wohn­trends gel­ten sollte. Nach­hal­tig inves­tie­ren fängt schon bei der pri­va­ten Anschaf­fung von Tisch und Stüh­len an, die wer­tig gefer­tigt und auf viele Jahr­zehnte Halt­bar­keit aus­ge­legt sein soll­ten. Har­mo­nisch abge­stimmt soll­ten „Lagom“ gemäß auch die Far­ben von Innen­ein­rich­tung, Böden und Wän­den sein. Unauf­dring­li­che ruhige Farb­töne aus einer Farb­fa­mi­lie wir­ken nicht nur sofort har­mo­ni­sie­rend auf den Geist, son­dern müs­sen auch nicht schon nach einem Jahr wie­der über­stri­chen wer­den, weil man sich daran satt gese­hen hat.

Sehr wich­tig: Auf gute Qua­li­tät ach­ten!

Ob Design­bö­den zum „Lagom“ Trend pas­sen, ist umstrit­ten, täu­schen sie doch vor, etwas zu sein, was sie nicht sind: Der neue Kork tut bei­spiels­weise so, als wäre er Est­rich, Flie­sen sehen seit eini­gen Jah­ren so aus wie Land­haus­die­len, Vinyl macht auf Lin­oleum und Kau­tschuk auf Mar­mor. Dage­gen ist im Prin­zip auch gar nichts ein­zu­wen­den, denn jeder Boden­be­lag hat ganz eigene Vor­züge. So dämpft ein Kork­bo­den den Tritt­schall wesent­lich bes­ser als ein Stein­bo­den und Natur­kau­tschuk ist extrem stra­pa­zier­fä­hig und dabei viel ange­neh­mer unter den Füßen als ein Hart­bo­den. Wich­tig ist jedoch auch hier die Qua­li­tät. Denn so man­cher güns­tige Lami­nat­bo­den aus dem Ange­bot gibt nach­her zuhause jah­re­lang Schad­stoffe ab, und beim dem ein­fach zu ver­le­gen­den Vinyl­bo­den löst sich die Dekor­schicht schon nach weni­gen Mona­ten.

Neu im Trend – Tep­pi­che mit Struk­tur­de­signs

Auch Tep­pich­bö­den schei­nen ein – vor­sich­ti­ges – Come­back (mit „Lagom“!) zu erle­ben: Neue Mate­ria­lien las­sen den Ver­dacht auf Weich­ma­cher und Form­alde­hyd nicht mehr auf­kom­men, und sogar renom­mierte Desi­gner trauen sich wie­der an die tex­ti­len „Boden­de­cker“ heran. Tex­til­de­si­gner Ulf Moritz ent­warf bei­spiels­weise für Vor­werk Tep­pich­kol­lek­tio­nen in war­men und fri­schen Far­ben und in unge­wöhn­li­chen Struk­tur­de­signs. Die Tep­pich­kol­lek­tion „My Home & Busi­ness“ von Bril­lux bie­tet zu jedem ange­bo­te­nen Tep­pich­bo­den gleich die pas­sende Wand- und Tür­farbe sowie Tape­ten an. Den neu­es­ten Trend in die­sem Seg­ment dürf­ten aller­dings Boden­be­läge aus dem 3D-Dru­cker dar­stel­len, die indi­vi­du­ell gestalt­bar und in naher Zukunft wohl sogar bezahl­bar sein wer­den.

Gestalt­bare Möbel auF dem Dru­cker

Apro­pos 3D-Dru­cker: Wo vor weni­ger als einer Lebens­spanne noch Schrei­ner in mühe­vol­ler Hand­ar­beit in ihrer Werk­statt Gebrauchs­mö­bel ange­fer­tigt haben, kom­men heute mehr und mehr indi­vi­du­ell gestalt­bare Möbel direkt aus dem Dru­cker. Neben der Kos­ten­er­spar­nis bestehen die Vor­teile darin, dass der künst­le­ri­schen Frei­heit des Desi­gners (fast) keine Gren­zen gesetzt sind. Skur­rile Stühle und Hocker, far­ben­frohe Lam­pen­schirme, Tische, sogar ganze Häu­ser wer­den inzwi­schen ganz ein­fach aus­ge­druckt. So ent­stand anläss­lich der Mai­län­der Möbel­messe 2018 in nur 10 Tagen ein 100 Qua­drat­me­ter Haus für Bau­kos­ten von nur 1000,- EUR / qm. Diese Her­stel­lungs­weise hat das Poten­tial das Bauen in naher Zukunft zu revo­lu­tio­nie­ren.

Revo­lu­tio­nä­res Woh­nen

Eben­falls revo­lu­tio­niert hat sich – aller­dings still und leise – in den letz­ten Jah­ren die Ein­stel­lung und Nut­zung von Ter­rasse und Gar­ten: Längst ist der klapp­rige Cam­ping­tisch vom veri­ta­blen Ess­tisch und die Holz­gar­ten­liege mit der fle­cki­gen Tex­til­be­span­nung von Out­door Couch­gar­ni­tu­ren und Gar­ten­bet­ten aus wet­ter­fes­ten Mate­ria­lien abge­löst wor­den. Hoch­leis­tungs­grill­sta­tio­nen und Außen­kü­chen tra­gen ihren Teil dazu bei, dass die Ter­rasse ihr moo­si­ges Wasch­be­ton­plat­ten­image abge­legt hat und zur funk­tio­na­len Som­mer­fort­set­zung des Wohn­be­reichs avan­ciert ist. Da die neue Aus­stat­tung der Ter­rasse viel mehr Platz benö­tigt, als die 6×3 Meter des durch­schnitt­li­chen bun­des­deut­schen Frei­sit­zes, fällt so man­cher kleine Rei­hen­haus­gar­ten mit­samt löch­ri­ger Rasen­flä­che und ver­holz­ter Kirsch­lor­beer­he­cke einer groß­zü­gi­gen und in ver­schie­dene Zonen seg­men­tiere Ter­ras­sen­flä­che zum Opfer. Hier­für fällt die Wahl immer öfter auf ver­edelte Holz­die­len, die nicht nur warm und ein­la­dend wir­ken, son­dern neben der übli­chen Rei­ni­gung fast keine War­tung erfor­dern. Qua­li­tät lohnt sich, denn wer bei der Anschaf­fung etwas tie­fer in die Tasche greift, spart nach­her durch die Lang­le­big­keit und War­tungs­frei­heit. Ste­ril muss ein sol­cher Ter­ras­sen­gar­ten übri­gens nicht wir­ken: Wer einen klei­nen Natur­teich oder Pool inte­griert und Topf­pflan­zen wie bei­spiels­weise Zitro­nen­bäume und medi­ter­rane Kräu­ter wie Ros­ma­rin anpflanzt, kann sei­nen Gar­ten zum alters­ge­rech­ten Frei­luft­pa­ra­dies umbauen. Und han­delt damit wie­der ganz im Sinne von „Lagom“.

Ralf Deckert

 

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